Technik · 15. Juni 2026
Die richtige Domain wählen: .ch, .com oder beides?

Bevor eine Webseite überhaupt steht, fällt eine Entscheidung, die Sie über Jahre begleitet: die Adresse, unter der Sie im Netz erreichbar sind. Eine Domain zu wählen klingt nach einer Kleinigkeit, ist aber so etwas wie die Wahl Ihres Geschäftssitzes. Sie steht auf der Visitenkarte, in der E-Mail-Adresse, im Google-Eintrag. Und ein späterer Umzug ist mühsam. Deshalb lohnt es sich, die Frage einmal in Ruhe durchzudenken: .ch, .com oder doch beides?
Ich baue Webseiten für KMU aus der Region Schaffhausen und Winterthur, und diese Frage kommt fast bei jedem Projekt. Hier ist meine ehrliche Sicht, ohne Technik-Kauderwelsch.
Was eine Domain eigentlich ist
Ihre Domain ist die Adresse, die jemand in den Browser tippt, um zu Ihnen zu gelangen, zum Beispiel ihre-firma.ch. Der hintere Teil, also .ch oder .com, heisst Endung oder «Top-Level-Domain». Diese Endung sendet ein Signal: Sie sagt, wo Sie zuhause sind und an wen Sie sich richten.
Die gute Nachricht: Eine Domain kostet wenig, meist zwischen 10 und 20 Franken im Jahr. Sie können sich also mehr als eine leisten, ohne dass es weh tut. Genau das wird gleich wichtig.
.ch, das Heimat-Signal für Schweizer Firmen
Wenn Ihre Kundschaft in der Schweiz sitzt, führt kaum ein Weg an .ch vorbei. Diese Endung sagt auf einen Blick: «Das ist eine Schweizer Firma.» Das schafft Vertrauen, und zwar aus mehreren Gründen:
- Vertrautheit: Schweizer erkennen .ch sofort und tippen es fast automatisch. Es wirkt seriös und lokal verankert.
- Lokale Auffindbarkeit: Eine .ch-Adresse ist ein deutliches Signal an Google, dass Sie für die Schweiz relevant sind.
- Nähe: Wer regional arbeitet, Handwerk, Praxis, Gastronomie, Beratung -, signalisiert mit .ch, dass er vor Ort ist und nicht irgendwo im Ausland.
Für die allermeisten KMU mit Schweizer Kundschaft ist .ch deshalb die richtige Haupt-Adresse. Mehr zur lokalen Sichtbarkeit finden Sie auch in meinen weiteren Beiträgen.
.com, wann sich die internationale Endung lohnt
Die Endung .com ist die bekannteste der Welt. Sie steht für «kommerziell» und international. Sie ist die richtige Wahl, wenn Ihr Geschäft über die Landesgrenze hinausreicht:
- Sie verkaufen oder beraten auch Kunden im Ausland.
- Sie sind eine Marke, die international wahrgenommen werden möchte.
- Ihr Angebot ist von Natur aus grenzenlos, etwa Software, Online-Kurse oder digitale Produkte.
Für eine rein lokal tätige Schreinerei in Winterthur ist eine reine .com-Adresse dagegen eher ungewohnt, sie kann sogar irritieren, weil sie weniger «schweizerisch» wirkt. Die Endung sollte zu Ihrem Geschäft passen, nicht umgekehrt.
Beides sichern, der pragmatische Mittelweg
In der Praxis empfehle ich vielen Kunden, beide Endungen zu sichern, und das hat einen einfachen Grund: Eine zusätzliche Domain kostet kaum etwas, eine verpasste kann teuer werden.
So geht es: Sie wählen eine Endung als Ihre Haupt-Adresse, für Schweizer KMU meist .ch. Die zweite Endung registrieren Sie ebenfalls und leiten sie einfach auf die erste weiter. Tippt jemand versehentlich .com, landet er trotzdem bei Ihnen. Das bringt Ihnen gleich mehrere Vorteile:
- Markenschutz: Niemand kann sich Ihren Namen mit der anderen Endung schnappen.
- Keine verlorenen Besucher: Egal, was jemand tippt, er findet Sie.
- Spielraum für später: Wachsen Sie ins Ausland, haben Sie die passende Adresse schon in der Hand.
Wichtig ist nur: Eine Adresse bleibt die offizielle, die Sie überall verwenden. Sonst verzetteln Sie sich, und auch Google mag eine klare Linie lieber als zwei gleichwertige Adressen.
Worauf Sie beim Namen selbst achten sollten
Die Endung ist die eine Hälfte, der Name davor die andere. Ein paar bewährte Regeln, wenn Sie Ihre Domain wählen:
- Kurz und sprechbar: Man sollte den Namen am Telefon durchgeben können, ohne ihn zu buchstabieren.
- Keine Bindestrich-Wüsten: müller-und-sohn-gmbh.ch ist mühsam. Weniger ist mehr.
- Sonderzeichen meiden: Umlaute wie ä, ö, ü funktionieren technisch, sorgen aber oft für Verwirrung. Im Zweifel ausschreiben (ae, oe, ue) oder umgehen.
- Zukunftssicher denken: Ein Name, der nur ein einzelnes Produkt beschreibt, wird eng, sobald Sie Ihr Angebot erweitern.
Wem die Domain gehört, ein oft übersehener Punkt
Lassen Sie eine Domain registrieren, achten Sie darauf, dass Sie selbst als Inhaber eingetragen sind, nicht Ihre Agentur, nicht Ihr Webentwickler. Die Domain ist Ihr digitaler Geschäftssitz; sie sollte Ihnen gehören. Bei mir bekommen Kunden grundsätzlich vollen Zugriff und stehen selbst als Eigentümer drin. Trennt man sich später, nehmen Sie Ihre Adresse einfach mit. Diese eine Frage erspart später viel Ärger.
Eine Domain zu wählen ist keine Raketenwissenschaft, aber eine Entscheidung, die man am besten einmal richtig trifft. Für die meisten Schweizer KMU lautet meine ehrliche Empfehlung: .ch als Haupt-Adresse, .com sichern und weiterleiten, einen klaren und kurzen Namen wählen, und sich selbst als Inhaber eintragen lassen. Wenn Sie unsicher sind, welche Kombination zu Ihrem Vorhaben passt, schauen wir das gern gemeinsam an, nehmen Sie einfach Kontakt mit mir auf.


