Technik · 15. Juni 2026
Barrierefreie Website: Was Schweizer KMU beachten sollten

Stellen Sie sich vor, jemand möchte bei Ihnen einen Termin buchen, kann aber das Formular nicht ausfüllen, weil er den hellgrauen Text auf weissem Grund nicht lesen kann. Oder jemand bedient seinen Computer nur mit der Tastatur und bleibt an Ihrem Menü hängen. Diese Menschen sind keine Randerscheinung. Eine barrierefreie Website sorgt dafür, dass auch sie ans Ziel kommen, und nebenbei profitieren alle anderen ebenfalls.
Barrierefreiheit klingt nach einem grossen, komplizierten Thema. Ist es aber nicht. Ich erkläre Ihnen hier ohne Fachjargon, worum es geht, was für Schweizer KMU rechtlich gilt und wo Sie konkret ansetzen können.
Was bedeutet «barrierefrei» überhaupt?
Eine barrierefreie Website ist eine Website, die möglichst viele Menschen nutzen können, auch jene mit einer Beeinträchtigung. Dazu gehören Personen, die schlecht sehen, blind sind, schwer hören, motorische Einschränkungen haben oder mit Texten und Konzentration kämpfen.
Viele von ihnen nutzen Hilfsmittel: einen Screenreader, der den Bildschirm vorliest, eine Vergrösserung oder eine Steuerung nur über die Tastatur. Damit das funktioniert, muss die Website technisch sauber aufgebaut sein. Es geht also weniger um zusätzliche Funktionen als um solides Handwerk im Hintergrund.
Gibt es in der Schweiz eine Pflicht?
Hier wird oft Verschiedenes vermischt, deshalb der Reihe nach. In der Schweiz verpflichtet das Behindertengleichstellungsgesetz (BehiG) bisher in erster Linie öffentliche Stellen, also Bund, Kantone und teils Gemeinden, dazu, ihre digitalen Angebote barrierefrei zu gestalten. Für private Unternehmen gibt es heute keine generelle gesetzliche Pflicht, die Website barrierefrei zu machen.
Aber: Die Richtung ist klar. Das BehiG wird derzeit revidiert, und der Druck, auch private Anbieter stärker einzubeziehen, wächst, auch durch die Entwicklung in der EU, wo der European Accessibility Act seit 2025 viele Unternehmen verpflichtet. Schweizer KMU mit Kunden im EU-Raum oder mit einem Online-Shop tun deshalb gut daran, das Thema nicht erst dann anzugehen, wenn es muss.
Mein ehrlicher Rat: Hängen Sie sich nicht an der Frage «Muss ich?» auf. Die spannendere Frage ist «Was bringt es mir?». Und da fällt die Antwort eindeutig aus.
Warum sich Barrierefreiheit für jedes KMU lohnt
Eine barrierefreie Website ist kein Nischenthema für eine kleine Gruppe. Sie macht Ihre Seite für alle besser:
- Mehr Menschen erreichen Sie: Rund jede fünfte Person hat eine Form von Beeinträchtigung. Das sind potenzielle Kunden, die Sie sonst an der Tür verlieren.
- Bessere Sichtbarkeit bei Google: Sauberer Code, sinnvolle Überschriften und beschriebene Bilder helfen Suchmaschinen, Ihre Seite zu verstehen. Barrierefreiheit und gutes SEO gehen Hand in Hand.
- Angenehmer für alle: Gute Kontraste, klare Schrift und eine logische Struktur helfen auch Menschen ohne Beeinträchtigung, etwa unterwegs in der prallen Sonne oder bei kleiner Handy-Schrift.
- Ein professionelles Signal: Eine durchdachte, zugängliche Seite zeigt, dass Sie Ihre Arbeit ernst nehmen. Das überträgt sich auf Ihr ganzes Geschäft.
Die wichtigsten Grundlagen, ohne Technik-Kauderwelsch
Sie müssen nicht selbst Hand anlegen, aber es hilft zu wissen, worauf es ankommt. Das sind die Punkte mit der grössten Wirkung:
- Genug Kontrast: Text und Hintergrund müssen sich deutlich abheben. Hellgrau auf Weiss mag elegant wirken, ist für viele aber kaum lesbar.
- Alternativtexte für Bilder: Jedes wichtige Bild bekommt eine kurze Beschreibung. So weiss ein Screenreader, was zu sehen ist, und Google ebenfalls.
- Bedienbar mit der Tastatur: Alles, was man klicken kann, muss auch ohne Maus erreichbar sein. Ein einfacher Test: Kommen Sie mit der Tab-Taste durch Ihre Seite?
- Klare Struktur: Überschriften in sinnvoller Reihenfolge, beschriftete Formularfelder, eine logische Reihenfolge. Das ist das Skelett, auf dem alles aufbaut.
- Verständliche Sprache: Kurze Sätze, klare Wörter. Das hilft nicht nur Menschen mit Leseschwäche, sondern jedem im Alltagsstress.
Wer sich tiefer einlesen will: Der internationale Standard dafür heisst WCAG. Die Stufe «AA» gilt als gängiges, gut erreichbares Ziel, Sie müssen den Namen aber nicht kennen, um eine gute Seite zu haben.
Wie Sie Ihre eigene Seite einschätzen
Ein erster Eindruck ist schnell gewonnen. Klicken Sie sich mit der Tastatur durch Ihre Website. Prüfen Sie auf dem Handy, ob alles gut lesbar bleibt. Schauen Sie, ob der Text bei kontrastschwachen Stellen noch klar erkennbar ist. Schon das zeigt oft, wo es hakt.
Für eine gründliche Prüfung braucht es danach jemanden, der den Code dahinter anschaut, denn viele Barrieren sind unsichtbar und stecken in der Technik. Genau hier hilft es, wenn eine Seite von Anfang an sauber gebaut wird, statt aus einem überladenen Baukasten zu stammen.
Ein guter Start, kein Riesenprojekt
Barrierefreiheit ist keine Hürde, die Sie an einem Tag perfekt nehmen müssen. Es ist eine Haltung: Bauen Sie so, dass niemand ausgeschlossen wird. Bei neuen Projekten ist das fast geschenkt, wenn es von Beginn an mitgedacht wird. Bei bestehenden Seiten lassen sich die grössten Barrieren oft mit überschaubarem Aufwand beseitigen.
Ich baue Webseiten von Hand und mit sauberem Fundament, Barrierefreiheit gehört für mich zur Grundausstattung, nicht zum Aufpreis. Wenn Sie wissen möchten, wo Ihre Seite steht und was sich verbessern lässt, schauen wir das gern gemeinsam an. Nehmen Sie einfach über das Kontaktformular mit mir Kontakt auf. Und falls Sie noch tiefer einsteigen möchten, finden Sie weitere Beiträge rund um Webseiten für KMU.


